Die Kolumne

Deutsche wissen's besser

27.10.2008 22:09 von Patrick Gsell

tl_files/pferdeweb/ci/buerohengst_im_stall.jpgAn einem dieser letzten warmen und sonnigen Nachmittage mache ich mich mit meiner Ex-Galopperin zu einem Spaziergang auf. Wie immer, wenn solche Nachmittage seltener werden und die sonnenhungrigen Familien, Paare und Singles das Naherholungsgebiet zu einem eigentlichen Gegenteil davon machen, dauert es eine ganze Weile, bis man über die nahe Stadtgrenze hinaus kommt. Längst habe ich mich daran gewöhnt, geduldig zu warten bis jedes Kind erst zögerlich und dann mutiger die Nase meiner Vierbeinerin gestreichelt hat.

Die Erwachsenen selbst beobachten dabei meist aus sicherer Entfernung und beruhigen lächelnd: "neinei, dä biist scho nöd! Oder isches ä sie?". Eine andere Frau sieht die Fliegenhaube um den Kopf und fragt, sichtlich mitfühlend: "Oh je, nei, gseht si nümme?" Ja, sie ist blind und trägt eine Augenklappe, sage ich - nicht, aber ich denke es mir. Dafür überraschen mich die nächsten drei Mädchen (geschätzte 8 Jahre alt), die mir im Quartier begegnen:

Auf Hochdeutsch spricht mich das eine Mädchen an: "Ein schönes Pferd haben Sie, wie heisst es?". Die übliche Frage eigentlich, aber schon das klingt so unglaublich kompetent. Das Mädchen weicht ein paar Schritte zurück und betrachtet die Stute ganz genau. Dann schreitet sie sehr konzentriert und langsam um das Pferd herum, die Spannung ist mit Händen greifbar. "Das ist ein Rennpferd", sagt sie endlich, "nicht wahr?". Ich bin baff. Die Deutschen sind uns Schweizern schon von Kindsbeinen an überlegen.
Patrick Gsell, bald 28, ist Unternehmer und mit dem Vollblut-Virus infiziert. Schuld daran trägt mitunter Barbea, seine fünfjährige Stute, die vier Rennen gewonnen und nun eine hoffentlich erfolgreiche Zuchtkarriere vor sich hat. Was er von anderen Pferdebesitzern am häufigsten zu hören bekommt: "Was? Du hast ein Pferd und reitest nicht?" Das spielt für Patrick keine Rolle: Er ist mittlerweile ein routinierter „Bodenarbeiter“ und steht – wie sich das für einen guten Pferdebesitzer gehört – fast täglich im Stall.

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Kommentar von Marianne | 05.01.2009
Einfach ein toller Text!!!