Die Kolumne
Einmal Pferd mit Kräuterbutter
23.09.2008 22:09 von Patrick Gsell
Letzthin fand ich auf Facebook - eine online community - einen alten Schulfreund wieder. Als ich mich durch sein Profil klickte, sah ich, dass er Mitglied einer (virtuellen) Gruppe mit folgendem Titel ist: "Auf ein Pferd gehört kein Sattel - sondern höchstens Kräuterbutter!". Ich musste laut lachen, fragte mich aber im nächsten Moment, ob ich das als Pferdebesitzer überhaupt darf? Um es gleich klar zu stellen: Ich habe noch nie Pferd gegessen und habe es auch nicht vor. Würde es mir allerdings aufgetischt werden, sagen wir, wenn ich zu Besuch bin, in einem fernen Land, wo auch immer - ich würde es essen. Abgesehen davon, dass das Stück Fleisch sonst im Müll landet, wieso auch nicht? Solange ich Nicht-Vegetarier bin, würde ich auch Hund, Katze, Krokodil oder ein süsses Meerschweinchen essen, wenn es keine vernünftige Alternative gäbe. Es ist doch idiotisch, ein Tier töten und essen zu dürfen, ein anderes aber nicht, bloss weil es schöner aussieht oder über Stangen springen kann!
Aber auch ich kann mich diesen verschiedenen Bewertungen von Leben nicht immer entziehen. Persönlich habe ich ein schlechtes Gewissen, wenn ich von der Überfischung der Meere höre oder im Fernsehen Geflügelfabriken sehe.
Was ich mit alledem sagen will: Nur Vegetarier allein haben das Recht, uns anderen etwas vorzuhalten. Hoffentlich werde auch ich eines Tages einer von ihnen sein. Aber man weiss: der Geist ist willig, das Fleisch ist schwach - und es schmeckt einfach gut.
PS: Filmtipp: "We feed the world", 2005. Ausschnitt auf youtube
Patrick Gsell, bald 28, ist Unternehmer und mit dem Vollblut-Virus infiziert. Schuld daran trägt mitunter Barbea, seine fünfjährige Stute, die vier Rennen gewonnen und nun eine hoffentlich erfolgreiche Zuchtkarriere vor sich hat. Was er von anderen Pferdebesitzern am häufigsten zu hören bekommt: "Was? Du hast ein Pferd und reitest nicht?" Das spielt für Patrick keine Rolle: Er ist mittlerweile ein routinierter „Bodenarbeiter“ und steht – wie sich das für einen guten Pferdebesitzer gehört – fast täglich im Stall.

Einen Kommentar schreiben