Die Kolumne
Pferdenamen
27.12.2008 13:15 von Patrick Gsell
Für jemand der nicht reitet, habe ich bestimmt schon überdurchschnittlich viele Pferdestallungen gesehen. Schuld daran sind die anspruchsvollen Pferde, für die nur der beste Platz gut genug ist. So reiste ich (jeweils mit fachkundiger Begleitung) auf Boxensuche durch die halbe Schweiz und besuchte Orte, von denen ich noch nicht einmal wusste, dass es sie gibt. Trotzdem ist es immer wieder spannend, einen neuen Betrieb zu besichtigen und seine Eigenheiten zu entdecken. (Dummerweise nehmen bei der nachfolgenden Diskussion auf der Heimfahrt dann doch meist die Nachteile überhand).Eines jedenfalls ist bei fast allen Ställen gleich: Die Boxen sind mit Pferdenamen beschriftet. Heute würde ich beinahe soweit gehen und behaupten, an der Art, wie die Pferdeboxen beschriftet sind, erkennt man die Qualität eines Pensionsstalles. Ich gehe aber definitiv soweit und behaupte: Die Unterschiede in der Art der Beschriftung sind zigmal fantasievoller als die Besitzer, die ihre Pferde taufen. Ganz sicher treffe ich in jedem Stall auf einen Dancer, ein Müüsli (oder ähnlich), eine Queen und eine Princess, einen Boy und eine/n Angel.
Dass Kreativität allein aber noch keinen schönen Namen garantiert, beweist ein Blick auf einige Rennpferdenamen: „Ostseemeeting", „Fürst Wackerbarth", „Ottofee" und „Bravo Görl" - dagegen gibt es aber auch wirklich schöne Namen, „Singspiel" ist mein Favorit.
Als wir nach langem Suchen also den passenden Stall gefunden hatten, dessen Boxen mit einzelnen Buchstabentäfelchen im spanischen Stil beschriftet waren und Ramblin Angel die Box beziehen konnte, blickte der Stallbesitzer etwas besorgt auf die Boxentüre. Er war sich wohl nicht sicher, ob der Doppelname Platz finden würde. Also fragte er uns, mit welchem Kosenamen wir unser Pferd denn rufen.
„LADY Ramblin Angel", sagten wir so ernst wie möglich.
Patrick Gsell, 28, ist Unternehmer und mit dem Vollblut-Virus infiziert. Schuld daran trägt mitunter Barbea, seine fünfjährige Stute, die vier Rennen gewonnen und nun eine hoffentlich erfolgreiche Zuchtkarriere vor sich hat. Was er von anderen Pferdebesitzern am häufigsten zu hören bekommt: "Was? Du hast ein Pferd und reitest nicht?" Das spielt für Patrick keine Rolle: Er ist mittlerweile ein routinierter „Bodenarbeiter“ und steht – wie sich das für einen guten Pferdebesitzer gehört – fast täglich im Stall.

Einen Kommentar schreiben