Die Kolumne

Reiten Sie noch oder testen Sie schon?

18.03.2010 13:15 von Sarah Sophie Reuter

SarahDer Reiter ist ja immer auf der Suche. Nach der robustesten Reithose, den schicksten Stiefeln, dem pfiffigsten Pferd und vor allem: dem rüstigsten Reitlehrer. Ketzer würden sagen, die größten Szenarien an Missgunst und Ungerechtigkeit spielen sich nicht an der Börse, sondern am Reitplatz ab. So wie neulich, als Frau Niezufrieden ihre neue Entdeckung statt auf dem Boden hoch oben sehen wollte: und zwar auf ihrem Pferd. Wer nämlich Frau Niezufrieden vom Boden aus schlaue Tipps geben will, muss sich erst beweisen. Marbacher 70-Tage-Test mal anders.

Der Neue wird also auf Herzen und Nieren geprüft. Einfühlsam soll er sein, aber konsequent. Klassisch ausgebildet, aber bitte auch Pat-Parelli-Anhänger. Er soll sich Zeit nehmen, aber schnell Erfolge zeigen.
Kurz: er soll aus Frau Niezufriedens For Treasure einen For Pleasure machen.

Die neue große Hoffnung saß kaum im Sattel, da schlurfte „Schätzchen“ unter ihm auch schon los. Jaja, er sei eben voller Energie, und den Bewegungsdrang von Pferden solle man ja nicht verhindern, hüstelte Frau Niezufrieden in eine aufgewirbelte Sandböe. Hinterhandaktivität wird ja ohnehin völlig überbewertet. Beim ersten Versuch der Aufrichtung schlug Frau Niezufrieden Alarm: Das sei ja absolut übertrieben und auch relativ zweitrangig. Sie wolle doch keine Rollkur verschrieben bekommen! Das letzte bisschen pädagogischer Sachverstand ließ das Reiter-Pferd-Paar durch die ganze Bahn wechseln und Tritte verlängern, laut Frau Niezufrieden eine Paradeübung. Eine Parade wurde es dann auch: vorne Trommeln, aber hinten folgten keine Soldaten. Das Schätzchen wurde einfach schneller und schleifte die lästigen Hinterbeine hinterher. Das wäre dann auch genug für dieses Mal, erklärte des Schätzchens stolze Besitzerin. Und dann kam sie auch schon, die Gretchen-Frage: Was halten Sie denn so von ihm? Der Reitlehrer am Scheideweg. Was soll er sagen? Wenn er weiterhin sein Brot verdienen will, um Himmels Willen nicht die Wahrheit. Bei kleinster Kritik am Schätzchen wird dies nämlich die erste und letzte Stunde gewesen sein, Frau Niezufrieden wird wie die Königin aus Alice im Wunderland rufen „Den Kopf ab!“ und die Suche fortgesetzt, bis zum nächsten Mal, wenn es wieder heißt: Setzen Sie sich doch mal drauf!

Sarah Sophie Reuter (22) studiert in Hildesheim bei Hannover Philosophie-Künste-Medien, verbringt aber fast ebenso viel Zeit im Pferdestall wie in der Uni. Bereits seit Kindertagen ist der Reitsport ihre Leidenschaft: Sie machte ihr bronzenes Reitabzeichen in Verden, verbrachte nach dem Abitur ein Jahr auf einem Trakehnergestüt im französischen Burgund, wo auch ihr Mecklenburger Wallach ‚Mozart‘ nicht fehlen durfte. Nach dem Studium möchte Sarah im journalistischen Bereich tätig sein.

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